Lärmschwerhörigkeit vorbeugen — die WHO-Empfehlungen zum sicheren Hören
Die WHO-Empfehlungen zum sicheren Hören, die Lautstärke und Dauer zusammen betrachten, Regeln für Kopfhörer, Grenzwerte am Arbeitsplatz und Warnsignale – mit Quellenangaben.
Veröffentlicht 2026-09-26
Ein geschädigtes Ohr erholt sich kaum
Laute Geräusche schädigen die Haarzellen in der Hörschnecke, die Schall in elektrische Signale umwandeln. Beim Menschen wachsen diese Zellen nicht nach, wenn sie einmal verloren sind – Lärmschwerhörigkeit ist daher meist dauerhaft. Die WHO warnt, dass weltweit über eine Milliarde junger Erwachsener durch unsichere Hörgewohnheiten dem Risiko eines dauerhaften, aber vermeidbaren Hörverlusts ausgesetzt sind.
WHO-Empfehlung: Lautstärke × Dauer
Die WHO betrachtet die durchschnittliche Lautstärke und die Hördauer gemeinsam. Je lauter der Klang, desto schneller sinkt die Zeit, die man pro Woche sicher hören kann.
| Durchschnittliche Lautstärke | Sichere Hördauer pro Woche |
|---|---|
| 80 dB | 40 Stunden |
| 85 dB | 12 Stunden 30 Minuten |
| 90 dB | 4 Stunden |
| 95 dB | 1 Stunde 15 Minuten |
| 100 dB | 20 Minuten |
Als Beispiele für Alltagsgeräusche nennt die WHO: normales Gespräch 60 dB, Türklingel 80 dB, dichter Verkehr im Auto gehört 85 dB, Schreien 90 dB, Motorrad 95 dB, Haartrockner 100 dB.
Regeln für Kopfhörer
- Hören Sie mit höchstens 60 % der maximalen Gerätelautstärke (WHO-Empfehlung).
- Wenn Umgebungslärm Sie zum Lauterdrehen verleitet, reduzieren Sie ihn mit gut sitzenden Ohrpassstücken oder Kopfhörern mit Geräuschunterdrückung.
- Gönnen Sie den Ohren bei langem Hören zwischendurch Pausen.
- Aktivieren Sie die Funktionen Ihres Smartphones zur Aufzeichnung und Begrenzung der Hörlautstärke. WHO und Internationale Fernmeldeunion (ITU) empfahlen 2019 in ihrem Standard für persönliche Audiogeräte (H.870) eine „Schallkontingent“-Funktion, die die kumulierte Belastung anzeigt, eine automatische Lautstärkebegrenzung und eine elterliche Lautstärkekontrolle.
Grenzwerte am Arbeitsplatz
Das US-amerikanische National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) setzt als empfohlenen Expositionsgrenzwert 85 dBA im 8-Stunden-Mittel an und halbiert die zulässige Dauer mit jeder Erhöhung um 3 dB (88 dBA: 4 Stunden; 91 dBA: 2 Stunden). An lauten Arbeitsplätzen ist Gehörschutz wie Ohrstöpsel oder Kapselgehörschutz nötig.
Warnsignale
- Nach einem Konzert oder Clubbesuch fühlen sich die Ohren dumpf an oder klingeln (Zeichen einer vorübergehenden Hörminderung).
- Sprache in lauter Umgebung zu verstehen fällt zunehmend schwer.
- Im Audiogramm kann sich eine „Lärmsenke“ zeigen, ein Einbruch bei 3–6 kHz (häufig 4 kHz).
Halten die Beschwerden mehrere Tage an oder lässt das Hören auf einem Ohr plötzlich nach, suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe.
Dieser Test und Lärm
Die Lautstärkeanzeige dieser Seite ist digital (dBFS); der tatsächliche Pegel in dB am Ohr lässt sich daraus nicht ableiten. Testen Sie kurz und leise und nutzen Sie dieses Werkzeug nicht als Pegelmesser für Ihr Hören.
Quellen
- WHO, Deafness and hearing loss: Safe listening — who.int
- WHO, New WHO-ITU standard aims to prevent hearing loss among 1.1 billion young people (2019-02-12) — who.int
- WHO, Faktenblatt Deafness and hearing loss (2026-03-03) — who.int
- NIOSH, Criteria for a Recommended Standard: Occupational Noise Exposure (1998) — cdc.gov